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Der Duft von Stolle

  


Jetzt ist es wieder soweit! Das Weihnachtsfest naht! In diesem Jahr habe ich durch die Corona-Beschränkungen keinen einzigen Vorweihnachts- oder Weihnachtsmarkt gehabt. Null. Nada.
Das ist natürlich ein extrem herber Schlag in mein Kassenbuch. Denn wer wie ich seinen Unterhalt durch den Verkauf seiner eigenen Ware finanzieren muß, der hat da ganz schön zu knabbern. Und allen Unkenrufen zum Trotz: Ich erhalte keinerlei Corona-Hilfe. Die November- und Dezember-Hilfen könnte ich noch nicht einmal beantragen, weil ich keinen Steuerberater habe. Warum? Weil ich so klein bin, daß ich das bißchen Steuer selber mache.

Und was macht man mit der neu gewonnenen - unerwarteten - Freiheit der fehlenden Weihnachtsmärkte?

Man futtert sich den Frust so richtig an! Aber wenn schon, dann vom Feinsten! Denn ich hatte in all den Jahren zuvor durch die Weihnachtsmärkte nie Zeit zu backen! Eigentlich hatte ich auch nie Zeit, mich auf Weihnachten einzustimmen. O.K. Weihnachtsdeko steht immer noch nicht. Dafür duftet es im Haus lecker nach Stolle.
Und ich merke: Wie habe ich diesen Duft meiner Kindheit in all den Jahren der Weihnachtsmärkte vermißt!

Zunächst der süßliche Duft, der den Raum erfüllt, wenn die Hefe auf dem Kachelofen beginnt zu arbeiten. Gepaart mit dem Aroma von in Rum eingelegten Rosinen, dem Zitronat, den Mandeln! (Bild oben)!

Und wenn dann der Teig so richtig gegangen ist und in scholliger Oberfläche aufplatzt und immer größer wird....



Dann diese Sinnlichkeit des Teig-Knetens. Natürlich von Hand. Strengt ein wenig an, aber kündet schon von den Verlockungen des fertigen Backwerks. Nun werden endlich die Laiber der Stollen geformt! Welch verlockende Begierde, sich ein klein wenig davon in den Mund zu stehlen!


Doch ich will nicht labern, denn der Ofen wartet. 
Bis nun endlich die Wärme und der lockende Duft der im Feuer des Backofens reifenden Stollen durch die Küche zieht...
Bis der Ruf der Stollen aus dem Ofen fast wie im Reich der Frau Holle schallt: "Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich! Denn ich bin schon längst ausgebacken!"

Gut, bei mir war das jetzt ganz unromantisch der Küchenwecker. Aber nun noch ganz schnell die zerlassene Butter auf die Stollen streichen und den Zucker darüber gestreut!


Ach da will ich doch gleich in Euch hinein beißen, Ihr köstlichen Stollen...


Aber nein, nicht bei mir! Die Stollen reifen bei mir mindestens bis Weihnachten und werden erst an Heiligabend angeschnitten. Nur so offenbart sich mir das Ganze Stollen-Universum auf der Zunge und dem Gaumen.

Doch was biete ich meinem Magen bis dahin an?

Wie wäre es denn mit leckeren selbstgemachten Plätzchen?! Die gab es bei mir auch schon lange Zeit nicht mehr!

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