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Kurz erzählt: Die Katze und der Zwerg

  


Im stillen Mondlicht lag der Garten von Oma Erna wie ein verwunschenes Reich. Zwerg Bertram, mit seiner scharlachroten Mütze und dem weißen Bart aus Moos, hielt wie jede Nacht Wache über die Blumenbeete. Doch an diesem Morgen bot sich ihm ein Bild des Jammers: Die stolzen Tulpen lagen umgeknickt, die zarten Stängel der Narzissen waren geknickt, als hätte ein winziger Sturm gewütet.

„Bei Bart und Hacke!“, murmelte Bertram und strich sich seinen moosigen Bart. Dies war kein Werk des Windes. Die Abdrücke im weichen Erdreich waren winzig, kaum größer als ein Gänseblümchen. Ein Rätsel für einen Gartenzwerg von Ehre. Er beschloss, den Übeltäter zu stellen.

Die nächste Nacht verbrachte Bertram nicht regungslos auf seinem Sockel, sondern versteckt hinter einem Farnblatt. Denn farn macht ja bekanntlich unsichtbar. Die silberne Monduhr tickte lautlos, bis ein Rascheln im Lavendelbusch die Stille zerbrach. Heraus huschte ein kleines Etwas, ein flüchtiger Schatten im Dunkel.

Es war Kätzchen Susi, nicht größer als Bertrams Zipfelmütze, mit Fell so weiß wie Gartennelken und Augen wie zwei funkelnde Smaragde. Unbeschwert hüpfte sie durch das Beet, verfolgte das flirrende Licht einer Glühwürmchen, das zwischen den Stängeln tanzte. Mit jedem verspielten Satz landeten ihre winzigen Pfoten unachtsam auf einer Blume. "Knack". Eine junge Schlüsselblume neigte sich seufzend zur Seite. Pünktchen schnurrte glücklich, rieb ihren Kopf an der nächsten Tulpe und brachte sie damit ins Wanken.

Bertrams Zorn schmolz dahin wie Morgentau in der Sonne. Er sah die pure Unschuld in den Sprüngen des Kätzchens, die freudige Ahnungslosigkeit. Dies war kein böswilliger Vandale, sondern ein verspieltes Kind der Nacht, das die Welt entdeckte.

„Halt, kleine Springerin!“, rief Bertram mit sanfter, gnomhafter Stimme.

Susi erstarrte, ihre großen Augen weiteten sich vor Überraschung, als der vermeintliche Stein zu ihr sprach.

„Siehst du nicht, was deine Tanzschritte anrichten?“, fragte Bertram und zeigte auf die geknickte Tulpe.

Das Kätzchen folgte seiner Geste, und zum ersten Mal schien ein Verständnis in ihren funkelnden Augen aufzuleuchten. Sie stupste sanft die geknickte Blume mit ihrer kleinen Nase und gab ein leises, bedauerndes „Miau“ von sich.

Von da an wurde Susi nicht zur Gejagten, sondern zur Verbündeten. Bertram, der weise Zwerg, zeigte ihr die geheimen Pfade zwischen den Beeten, wo festes Erdreich ihre Spiele trug. Und als Belohnung für ihre Vorsicht flocht er ihr ein Halsband aus Gänseblümchen und robustem Grashalm.

Nun, wenn der Mond aufgeht, kann man sie sehen: Den kleinen Wächter aus Stein und seine verspielte, weißpfotige Wächterin. Sie hüpft vorsichtig auf den angelegten Pfaden, und manchmal, wenn eine Schnecke sich zu weit vorwagt, ist es Susi, die sie mit einem sanften Tatzenstoß auf den Weg zurückbringt. Der Garten blüht in nie dagewesener Pracht, behütet von einer ungewöhnlichen Freundschaft, die zwischen einem moosbärtigen Zwerg und einer katzenkleinen Träumerin wuchs.

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